Zevener Geschichtsvorträge 2019 - Walter Kempowski und die Erinnerungskultur - am 17. Mai 2019

Veröffentlicht am: 14.05.2019

Zevener Geschichtsvorträge 2019

Freitag, den 17. Mai 2019, 19.00 Uhr,  Museum Kloster Zeven

» Vergessen und Verdrängen «     

Walter Kempowski und die Erinnerungskultur

Walter Kempowski in seinem Haus Kreienhoop in NartumWalter Kempowski in seinem Haus Kreienhoop in Nartum Am kommenden Freitag spricht Prof. Dr. h.c. Biegel im Rahmen der „Zevener  Geschichtsvorträge“ über „Vergessen und Verdrängen – Walter Kempowski und die Erinnerungskultur“. Der Vortragabend findet am 17. Mai im Schöffensaal des Museum Kloster Zeven statt. Da das Museum über einen Aufzug verfügt, ist der Vortragsraum für alle Interessierten erreichbar.

Im Zyklus der Betrachtungen zu den Werken von Walter Kempowski stehen in diesem Jahr besonders die  Bände zum Thema der deutschen Erinnerungskultur im Mittelpunkt. Die 1973 und 1978 erschienenen Fragebände »Haben Sie Hitler gesehen?« und »Haben Sie davon gewusst?« greifen zurück auf Antworten jener Nachkriegsgeneration für die »Vergessen und Verdrängen« bestimmend war. Kempowski setzte diese Sammeltätigkeiten fort. Das Ergebnis vermittelt einen  Eindruck von der Verfasstheit der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Kempowski hat mit seiner Arbeit der Erinnerungskultur in Deutschland einen grandiosen Spiegel in die Hand gedrückt. Das kollektive Schweigen  hatte lange Zeit jegliche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte verhindert. Vor Walter Kempowski, dessen Befragungsbände gelegentlich sogar als Tabubruch bezeichnet wurden, war kaum in ganz persönlichen Beobachtungen normales Leben von Deutschen unter Hitler derart erfahrbar gemacht worden. Kempowskis Sammlung der Antworten erhellte die wahre Gemütslage der Deutschen unter Hitlers Herrschaft. Der Autor verzichtete auf jeglichen eigenen Kommentar und ließ die Menschen für sich sprechen und überließ dem Leser die notwendige Schlussfolgerung. Sebastian Haffner beurteilte Kempowskis Vorgehen zutreffend, als er feststellte: »Wenn man die Leute auf den Kopf zu nach ihrer Meinung über Hitler fragt – der damaligen und der jetzigen -, wird wohl auch heute noch ziemlich geschwindelt. Die Generation, die Hitler erlebt hat – ganz egal, wie sie ihn erlebt hat -, hat nachher von diesem Erlebnis nicht mehr sprechen mögen. Sie hat nichts davon an ihre Kinder weitergegeben und insofern ist die blanke Ignoranz und Uninteressiertheit der Jüngeren das Werk der Älteren.«  Die Geschichtsvergessenheit der frühen Bundesrepublik ist das zentrale Thema des Vortrags am 17.05.2019, um 19 Uhr im Schöffensaal des Museum Kloster Zeven, Die Veranstaltung wird von der vhs Zeven und dem Museum Kloster Zeven in Kooperation mit dem Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig durchgeführt.

Foto: Kempowski, Fotograf Rüdiger Lubricht