Fragen zu Corona: Wer sollte welche Maske tragen?

Veröffentlicht am: 06.04.2020

Der Landkreis hat mit Prof. Dr. Schaberg einen renommierten Mediziner gewonnen, der Fragen zum Thema Corona beantwortet, die in der Kreisverwaltung auflaufen. Prof. Dr. Schaberg ist Infektiologe und Pneumologe, ehemaliger Chefarzt des Zentrums für Pneumologie im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, Mitglied des Expertenbeirates Influenza am Robert-Koch-Institut und Ko-Autor des Wissenschaftlichen Teils des Nationalen Influenza-Pandemieplans (Teil II).

Hier beschäftigt er sich mit der Frage, wer welche Maske tragen sollte.

Der Erreger der Lungenkrankheit COVID-19, das SARS-Coronavirus-2, wird über Tröpfchen übertragen. Solche Tröpfchen entstehen beim Husten, Niesen und beim Sprechen. Bei einem ungeschützten Kontakt zu einem Erkrankten werden diese Tröpfchen mit der Umgebungsluft eingeatmet und übertragen so das Virus. Die Tröpfchen sind in der Regel so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht erkennen kann. Allerdings kann jeder diese Tröpfchen nachvollziehen, der zum Beispiel auf einen Spiegel haucht, der dann beschlägt. Die Tröpfchen-Größe ist dabei sehr unterschiedlich. Je nach Größe kann ein solches Tröpfchen mehr oder weniger Erreger tragen. Bei der Übertragung von SARS-2 gehen wir davon aus, dass insbesondere größere Tröpfchen eine Vielzahl von Viren enthalten und damit besonders gefährlich hinsichtlich einer Übertragung sind. Diese größeren Tröpfchen sind relativ schwer und sinken in Abhängigkeit von der Entfernung und der Zeit zu Boden. Aus diesem Grunde wird einerseits dazu geraten, einen Abstand von 2 Metern zu anderen Personen einzuhalten und andererseits die Kontaktzeit zu anderen Personen so kurz wie möglich zu halten. Eine effektive Übertragung der Tröpfchen kann bei SARS-2 bereits nach 15 Minuten in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht und einem Abstand von weniger als 1,5 Metern erfolgen.

Daher sind Abstandsregeln und die Vermeidung sozialer Kontakte tragende Säulen in der Vorbeugung einer raschen weiteren Vertreibung des neuen Coronavirus. Um eine Übertragung der Tröpfchen von der Hand auf die Schleimhäute des Mundes, der Nase und der Augen zu verhindern, sollte man sich sehr oft und gründlich die Hände mit warmem Wasser und mit Seife waschen. Wird diese regelrecht getan, so ist das Händewaschen bei Grippe- und Coronaviren so effektiv wie eine Händedesinfektion mit Desinfektionsmittel.

In der medizinischen Versorgung werden sog. FFP2 und FFP3 Masken eingesetzt. Diese unterliegen strengen DIN-Normen und filtern kleinste Partikel. Sie dienen dem Schutz des medizinischen Personals.

Der Mund-Nasen-Schutz hingegen bietet nur eine mäßige Schutzwirkung gegenüber dem Einatmen von Tröpfchen.  Er minimiert jedoch die Tröpfchen-Freisetzung von infizierten Personen und muss daher stets von erkrankten Patienten und von Verdachtsfällen getragen werden. Darüber hinaus ergibt sich noch eine weitere wichtige Bedeutung des Mund-Nasen-Schutzes für die Bevölkerung insgesamt. Wird er von allen Personen bei Kontakten zu anderen Menschen getragen, so vermindert sich die Tröpfchen-Übertragung deutlich. Er dient also als nicht vornehmlich dem Eigenschutz, sehr wohl aber dem Fremdschutz.

In weiten Teilen Asiens gilt es als Selbstverständlichkeit bei jeder Erkältung oder bei einem Infekt der tiefen Atemwege einen solchen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Trotzdem rät die WHO bisher vom Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ab. Dies tut sie vor allem, damit die Menschen sich nicht in gefährlicher falscher Sicherheit wiegen und auf die Basis-Hygienemaßnahmen und das Abstand-Halten verzichten.

Die anfänglich gestellte Frage möchte ich daher wie folgt beantworten:

FFP-2 und FFP-3 Masken werden in medizinischen Bereichen benötigt, in denen direkt mit Patienten umgegangen wird, die an COVID-19 erkrankt sind, sei es in der Arztpraxis oder in der Klinik. Bei dem zurzeit herrschenden großen Mangel an diesen Masken haben sie im privaten Bereich keinerlei Berechtigung. Sie müssen jetzt denjenigen vorbehalten bleiben, die sich um die SARS-2 infizierten Patienten kümmern.

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit bei Kontakten zu anderen Menschen ist hingegen wahrscheinlich geeignet, Übertragungen vom Träger des Mund-Nasen-Schutzes auf andere Personen zu vermindert. Da wir wissen, dass die Ansteckungsfähigkeit des neuen Coronavirus bei zirka der Hälfte der Infizierten 2 Tage vor dem Beginn jeglicher Symptomatik beginnt – man also ansteckend sein kann, ohne es zu wissen – ,ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Raum eine solidarische und vorbeugende Handlung gegenüber den Mitmenschen.

Leider ist auch ein Mund-Nasen-Schutz zurzeit schwer zu beschaffen. Im Internet finden sich jedoch praktikable Nähanleitungen für die eigene Herstellung zu Hause. Auch ein selbsthergestelltes Modell erfüllt bei korrektem Sitz den oben genannten Zweck außerhalb des Krankenhauses ausreichend.

Hintergrundinfos Schutzmasken
Einen Schutz vor der Einatmung der Tröpfchen können sogenannte Masken bieten. Unter Masken sind hier Hilfsmittel zu verstehen, die in einem zertifizierten standardisierten Verfahren hergestellt werden und je nach Bauart in einem unterschiedlichen Maße in der Lage sind, das Einatmen der Tröpfchen zu verhindern. Die Klassifikation dieser Masken erfolgt nach FFP-Klassen (Filtering Face Piece: FFP). Masken der Klasse FFP-1 sind vor allem geeignet als Staubschutzmasken bei staubintensiven Arbeiten. Bei einem Abscheidegrad von mindestens 78% sollen bei einer FFP1 Atemschutzmaske höchstens 25% der Partikel durch die Maske gelangen (Gesamtleckage). FFP2-Masken werden hingegen überwiegend in der Medizin eingesetzt, um den Träger vor dem Einatmen von Krankheitserregern in Form von Tröpfchen zu schützen. Der Abscheidungsgrad beträgt 92%. FFP3 Atemschutzmasken haben sogar einen Abscheidegrad von 98%. Sie verhindern mit der höchst möglichen Sicherheit das Einatmen von hoch gefährlichen Krankheitserregern bei Tätigkeiten, bei denen der Maskenträger maximal gegenüber erregerhaltigen Tröpfchen exponiert ist. Bei allen Masken ist der korrekte Sitz mit Vermeidung einer Leckage Grundvoraussetzung für die Wirksamkeit. FFP-2 und FFP-3 Masken erschweren die Atmung deutlich und können nur über eine begrenzte Zeitdauer getragen werden. Sie werden daher auch mit einem die Ausatmung erleichternden Ventil angeboten. Dieser Unterschied ist bedeutsam. Masken mit Ventil verhindern die Aufnahme von Tröpfchen bei der Einatmung, nicht jedoch die Abgabe von Tröpfchen bei der Ausatmung. Sie sind also geeignet für medizinisches Personal als Schutz vor einer Ansteckung, aber ungeeignet für ansteckende Patienten, bei denen es darauf ankommt, die Ausscheidung der Tröpfchen zu verhindern.

Nicht zu den Masken gezählt wird der sogenannte Mund-Nasen-Schutz, der fälschlicher Weise manchmal auch als „Chirurgische Maske“ bezeichnet wird. Ein Mund-Nasen-Schutz soll zunächst die Ausatmung von Tröpfchen durch den Träger vermindern, was bei größeren Tröpfchen auch recht gut gelingt. Ein Mund-Nasen-Schutz bietet jedoch nur eine mäßige Schutzwirkung gegenüber dem Einatmen von Tröpfchen. Allerdings ist diese Schutzwirkung bei größerer Distanz etwas besser. Ein aus papierartigen Materialien gefertigter Mund-Nasen-Schutz durchfeuchtet bei kontinuierlicher Nutzung innerhalb von 2 Stunden und muss dann gewechselt werden.