Fragen zu Corona: Drohen uns Verhältnisse wie in Italien?

Veröffentlicht am: 26.03.2020

Der Landkreis hat mit Prof. Dr. Schaberg einen renommierten Mediziner gewonnen, der Fragen zum Thema Corona beantwortet, die in der Krisenverwaltung auflaufen. Prof. Dr. Schaberg ist Infektiologe und Pneumologe, ehemaliger Chefarzt des Zentrums für Pneumologie im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, Mitglied des Expertenbeirates Influenza am Robert-Koch-Institut und Co-Autor des Wissenschaftlichen Teils des Nationalen Influenza-Pandemieplans (Teil II). 

Hier beschäftigt er sich mit der Frage, ob in Deutschland Verhältnisse wie in Italien drohen. Am 24.03.2020 meldete Italien ca. 64.000 Infizierte und 6077 Todesfälle.

Diese Frage kann man von zwei Seiten hier beantworten.

Ohne die in Deutschland ergriffenen Maßnahmen zur Verlangsamung des Infektionsgeschehens und die kompetenten Strukturen des deutschen Gesundheitswesens müsste die Antwort wahrscheinlich mit "ja" beantwortet werden. In Norditalien ist der Ausbruch zu spät bemerkt worden. Da das neue Coronavirus hochansteckend ist, hat eine frühe fortgesetzte Mensch-zu-Mensch-Übertragung zu einem rapiden Anstieg der Infektionen geführt. Ohne Vorsorgemaßnahmen müssen wir davon ausgehen, dass ein infizierter Mensch drei weitere Menschen ansteckt, diw wiederum je drei Personen anstecken. Man kann sich ausrechnen, dass bei dieser Verbreitungshäufigkeit sehr schnell sehr große Zahlen erreicht werden. 

Ein wesentlicher erster Schritt in Deutschland war es daher, sehr früh Infizierte zu erkennen und konsequent mögliche Infektionsketten nachzuvollziehen und die Betroffenen unter Quarantäne zu stellen. Durch den konsequenten und hoch engagierten Einsatz des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ist dies über eine längere Zeit sehr gut gelungen. Aber man kann eine Pandemie eben nur verlangsamen und nicht komplett unterbrechen. Trotzdem waren diese ersten Maßnahmen dahingehend erfolgreich, als dass sie den Verlauf der Pandemie in Deutschland verlangsamt haben. Seit einigen Tagen sorgen die von Seiten der Politik ergriffenen Maßnahmen der Kontaktbeschränkungen nun für weitere - hoffentlich deutliche - Verlangsamung des Infektionsgeschehens. 

Ein zweiter Grund, warum man die eingangs gestellte Frage hoffnungsvoll mit "nein" beantworten kamm, liegt in der Tatsache, dass die deutschen Krankenhäuser technisch sehr viel besser ausgerüstet sind - so verfügt etwa Niedersachsen über fast so viele Beatmungsplätze wie Italien als ganzes Land - und wir personell hinsichtlich des Trainings- und Ausbildungsniveaus unseres Krankenhaus-Personals ebenfalls einen wichtigen Vorsprung haben. Rechnet man das großartige Engagement aller im Gesundheitswesen Beschäftigten dazu, so dürfen wir die berechtigte Hoffnung hegen, dass bei aller noch möglichen Schwere der Pandemie Verhältnisse wie in Norditalien nicht erwartet werden müssen.

Die Grundvoraussetzungen hierfür sind allerdings fortgesetzte Kontaktbeschränkungen und konsequente Basishygiene.