Landlust-Lebenslust-Natur: Beethovens „Pastorale“ in Zeven

Veröffentlicht am: 27.09.2019

Nummerierte Karten sind ab sofort erhältlich!

Ludwig van Beethoven setzte mit seiner sechsten Sinfonie, die auch als „Pastorale“ bekannt ist, der Natur und dem Landleben ein klangliches Denkmal. Zusammen mit seiner ersten Sinfonie erklingt die „Pastorale“ am Sonntag, den 03. November um 17.00 Uhr im Zevener Rathaussaal mit dem renommierten Orchester Hamburger Camerata unter der Leitung des Zevener Dirigenten Andreas Borbe. Nummerierte Karten sind ab sofort im Rathaus Zeven, „BürgerService“, Tel: 04281/716-261 für 25 €/Erwachsene und 12 €/Schüler erhältlich.

Ludwig van Beethoven war 29 Jahre alt, als er seine erste Sinfonie komponierte. Mit der Sinfonie Nr. 1 in C-Dur – einer Tonart, die in der Wiener Klassik für die Aufklärung und den Neubeginn stand – begann für Beethoven ein musikalisches Schaffen, das zum Zentrum seines kompositorischen Werkes werden sollte. Und so wird bei aller noch vorhandenen sinfonischen Tradition in Beethovens erster Sinfonie bereits eine persönliche, neue und mutige Ausdrucksweise deutlich. Die Uraufführung (1800) war ein Meilenstein in der Entwicklung kommender Sinfonik: Die langsame Einleitung des 1. Satzes beginnt mit einer Dissonanz und einer ungewöhnlichen Auflösung: Beethoven gibt sich vom ersten Akkord an als Revolutionär der Haydn‘schen/Mozart‘schen Sinfonik. Er zitiert Motive der französischen Revolutionsmusik und bezieht so auch eine politische Position. Auch der Beginn des Finales (4. Satz) ist extravagant: Der Zuhörer wird zum Ohrenzeugen der allmählichen Entstehung des Themas. Das Werk entstand für Beethovens erste öffentliche Akademie und wurde schnell sehr beliebt.

Der Legende nach schrieb Ludwig van Beethoven seine berühmte sechste Sinfonie „Pastorale“ am Ufer des Schreiberbach zwischen den Wiener Vororten Nußdorf und Grinzing, während er dort das bunte Treiben der Wachteln, Nachtigallen und Kuckucke beobachtete. Er unternahm ausgedehnte Spaziergänge in die Natur, unter deren Eindrücken er seine sechste Sinfonie schrieb.

Obwohl Beethoven die inhaltliche Aufladung von Kompositionen im Sinne heutiger Programmmusik stets kritisierte, überschrieb er das fertige Werk mit „Pastoral-Sinfonie oder Erinnerungen an das Landleben“. Entstanden ist die Pastorale in den Jahren 1807 bis 1808. In den insgesamt fünf Sätzen der sechsten Sinfonie zeichnet Beethoven musikalisch verschiedene Eindrücke eines städtisch geprägten Menschen in ländlicher Umgebung nach. Alle fünf Sätze fügen sich im Gesamtzusammenhang zu einem einheitlichen Bild, von dem Beethoven selbst behauptete, es habe „mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei“. Den ersten Satz überschrieb er mit „Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande“, der zweite Satz stellt eine „Szene am Bach“ dar. Die ineinander übergehenden Sätze drei, vier und fünf vertonen „Lustiges Zusammensein der Landleute“, „Donner und Sturm“ sowie „Hirtengesänge“.

Dennoch wollte Beethoven die Bedeutung seiner Musik lieber dem Zuhörer selbst überlassen. „Wer auch je nur eine Idee vom Landleben erhalte, kann sich ohne viele Überschriften selbst denken, was der Autor will“, heißt es in einer seiner hinterlassenen Schriften.

Doch fast schien es so, als hätte Beethoven bei der Komposition sicher gehen wollen, dass auch wirklich jeder Konzertgänger den Naturbezug seiner sechsten Sinfonie heraushört, ahmte er am Ende des zweiten Satzes besagte Vogellaute nach, imitierte die Geräusche eines Wanderers, das Laufen eines Bachs und vertonte mithilfe von Kontrabässen, Celli, Piccoloflöte und Violinen im vierten Satz Donnergrollen, Sturm und Blitze. Beethoven ahnte wohl nicht, dass er mit seiner sechsten Sinfonie den Grundstein für eine neue musikalische Formsprache legte, die in der Programmmusik des 19. Jahrhunderts mündete und schließlich den Ausgangspunkt der Symphonischen Dichtung darstellte.

Interessierte sollten sich bereits den 28. Oktober 2019 vormerken: Auf Einladung der Volkshochschule Zeven gibt Andreas Borbe anhand von Klangbeispielen, Briefzitaten und vielen Querverweisen Einblicke in die Bedeutung dieser großen Werke und berichtet auch ganz persönlich über seine Gedanken bei der Vorbereitung auf dieses Konzert. Der Einführungsvortrag findet um 20.00 Uhr im Saal des Königin-Christinen-Hauses statt.