FOLDING CONCEPT, Bilder von Barbara Rosengarth

Veröffentlicht am: 24.02.2020

Die 1964 in Münster geborene und heute in Bremen lebende Malerin Barbara Rosengarth spielt ein faszinierendes Spiel mit grafischen Mustern und geometrischen Formenreihungen in unendlichen Variationen und fein abgestimmten Farbkontrasten. Frei von jeder erkennbaren Gegenständlichkeit reihen sich Punkte, Quadrate oder Dreiecke zu rhythmischen Strukturen. Zunächst fast unbemerkt, fallen bei eingehender Betrachtung kleine Sprünge und Verschiebungen auf. Scheinbar gleichmäßige Flächen sind unterbrochen und werden zu subtilen, differenzierten Kompositionen, die unser Auge zum genauen Hinsehen herausfordern.

Manchmal könnten die grafischen Muster an gewebte oder bedruckte Stoffbahnen oder Gardinen erinnern. Tatsächlich ist die Künstlerin mit Textilien und Stoffbahnen groß geworden, war doch ihre Großmutter eine professionelle Schneiderin und auch ihre Mutter vielfach mit Näh- und Stickarbeiten beschäftigt. Zu Beginn ihrer malerischen Laufbahn hat Barbara Rosengarth auch wirklich gemusterte Stoffe und deren Faltenwurf akribisch abgemalt. Doch schon bald wurde vereinfacht, abstrahiert bzw. bis auf das Wesentliche, auf Farben, Formen und Rhythmus reduziert. Der ursprüngliche Faltenwurf blieb aber als „Faltung“ erhalten. Diese sorgt nun für die kleinen Brüche oder Störungen in den durchgehenden Muster-Ordnungen. Diese Irritationen in der seriell gereihten Symmetrie bringen -ähnlich wie in der Musik- Bewegung, Spannung und Abwechslung in den bestehenden Rhythmus. Sie fordern zum genauen Hinsehen auf und lassen das forschende Auge im Bilde herumwandern, entdecken und genießen. Oder wie die Künstlerin es formuliert: „Wie bei einer sich leicht bewegenden Wasseroberfläche, geraten die Formen in Schwingung. Changierende Farben und Richtungswechsel erzeugen eine vibrierende Oberfläche“.

Wie der Ausstellungstitel vermuten lässt, sind diese Faltungen zum Konzept in Rosengarths Malerei geworden. Alle Bilder, die seit 2001 wie in einer endlosen Serie entstanden sind, bekamen den Titel „Pli“, französisch für „Falte“, oder als Abkürzung von „Plissee“ (gefalteter Stoff). Angehängt wird der laufende Nummer und das Entstehungsjahr. So ist „Pli 1419“ (Abbildung) das 14. Bild aus dem Jahre 2019.

Gemalt wird immer noch akribisch. Früher mit Öl auf Nessel, heute bevorzugt mit Acryl auf Leinwand oder auf sorgsam glatt grundierten Holzpanelen. Aber wie die Künstlerin sagt: „Das Streben nach Genauigkeit wird ad absurdum geführt, denn die handwerkliche Arbeit vermag niemals absolute Perfektion zu erreichen“. Statt toten, glatten Oberflächen entstehen durchaus lebendige Oberflächen, teilweise sogar mit deutlichen Pinselduktus. Lasierende Schichten lassen zudem feine Farbnuancierungen und changierende Farbflächen entstehen.

Um ein Spiel mit Rhythmus geht es auch bei der Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, den 1. März ab 14.30 in der Städtischen Galerie im Königin-Christinen-Haus in Zeven. Um 15 Uhr spielen die Musiker und Multipercussionisten Moritz Koch (Frankfurt) und Alejandro Sarriegui (Mainz). Zur Aufführung kommen die Stücke „two together“ von Matthias Kaul und „Retrouvailles“ von Georges Aperghis. Zwischendurch gibt es ein Künstlergespräch mit Barbara Rosengarth und den Kurator Jan Jaap Roosing. Jedermann ist herzlichst willkommen, der Eintritt ist frei.

Die Frühlingsausstellung bleibt vom 1. März bis zum 31. Mai 2020 in der Städtischen Galerie im Königin-Christinen-Haus, Lindenstraße 11 in Zeven zu sehen. Öffnungszeiten sind sonntags und donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Gruppen, Schulklassen und Führungen sind zusätzlich nach Vereinbarung möglich: Tel. 04281 / 999800.