Zeven

16.04.2018 / "Vergessen und Verdrängen" Zevener Geschichtsvortrag am 20. April 2018

Walter Kempowski und die Erinnerungskultur der Deutschen

Walter Kempowski als Chronist eines Jahrhunderts steht zum dritten Mal im Mittelpunkt eines Zevener Geschichtsvortrags, der am kommenden Freitag, den 20. April im Schöffensaal des Museum Kloster Zeven stattfindet. Da das Museum über einen Aufzug verfügt, ist der Vortragsraum für alle Interessierten erreichbar.


Schon seit langem beschäftigt sich Prof. Biegel mit „historischen Schriftstellern“ oder „literarischen Historikern“ wie Ricarda Huch oder Wilhelm Raabe. Da liegt es nahe, im Rahmen der Zevener Geschichtsvorträge den 2007 verstorbenen Walter Kempowski zu würdigen, der sich in seinem literarischen Werk mit der Geschichte der Deutschen im 20. Jahrhundert auseinandersetzte.
Mit seinem seit den 1970er Jahren erschienenen Werk galt Walter Kempowski nicht nur als renommierter Autor, sondern auch als »Chronist eines Jahrhunderts«,
Im Zyklus der Betrachtungen zu den Werken von Walter Kempowski stehen in diesem Jahr zwei besondere Bände zum Thema der deutschen Erinnerungskultur im Mittelpunkt. Die 1973 und 1978 erschienenen Fragebände »Haben Sie Hitler gesehen?« und »Haben Sie davon gewusst?« greifen zurück auf Antworten jener Nachkriegsgeneration für die »Vergessen und Verdrängen« bestimmend war. Das kollektive Schweigen verhinderte lange Zeit jegliche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte im Nationalsozialismus. Vor Walter Kempowski, dessen Befragungsbände gelegentlich sogar als Tabubruch bezeichnet wurden, war kaum in ganz persönlichen Beobachtungen normales Leben von Deutschen unter Hitler derart erfahrbar gemacht worden. Kempowskis Sammlung der Antworten erhellte die wahre Gemütslage der Deutschen unter Hitlers Herrschaft. Der Autor verzichtete auf jeglichen eigenen Kommentar und ließ die Menschen für sich sprechen und überließ dem Leser die notwendige Schlussfolgerung. Sebastian Haffner beurteilte Kempowskis Vorgehen zutreffend, als er feststellte: »Wenn man die Leute auf den Kopf zu nach ihrer Meinung über Hitler fragt – der damaligen und der jetzigen -, wird wohl auch heute noch ziemlich geschwindelt. Die Generation, die Hitler erlebt hat – ganz egal, wie sie ihn erlebt hat -, hat nachher von diesem Erlebnis nicht mehr sprechen mögen. Sie hat nichts davon an ihre Kinder weitergegeben und insofern ist die blanke Ignoranz und Uninteressiertheit der Jüngeren das Werk der Älteren.«
Mehr erfahren Interessierte am Freitag, den 20. April, um 19 Uhr im Schöffensaal des Museum Kloster Zeven. Die Veranstaltung wird von der VHS Zeven und dem Museum Kloster Zeven in Kooperation mit dem Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig durchgeführt.



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