27.02.2017 / Ausstellung "Audienz bei Königin Christine" von Sabine Emmerich

Audienz bei Königin Christine
Papierskulpturen von Sabine Emmerich im Königin-Christinen-Haus, Zeven vom 5. März 2017 bis zum 4. Juni 2017
In der neuen Frühlingsausstellung der Städtischen Galerie im Königin-Christinen-Haus in Zeven werden Papierskulpturen von Sabine Emmerich gezeigt. Die in Dipshorn lebende Künstlerin wurde 1964 in Marburg geboren, studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und ist heute selbst Lehrbeauftragte an der Hochschule für Künste in Bremen und an der Universität Bremen. Ihr eigenes Atelier hat sie im „Künstler-Bahnhof“ Sagehorn. Bekannt wurde Emmerich vor allem mit Tierfiguren aus Maschendraht und Seidenpapier, wie den lebensgroßen Elefant von 1999, oder einer Kolonie von ca. 80 lebensgroßen Pinguinen, 2005. Diese werden allerdings, allein schon aus Platzgründen, in Zeven nicht zu sehen sein.


Obwohl immer noch genügend Material für eine Einzelausstellung zur Verfügung stand, hat die Künstlerin es sich nicht nehmen lassen, speziell für diese Ausstellung ganz neue Werke zu erschaffen! Dabei wurde das historische Haus und insbesondere ihre Namensgeberin, die schwedische Königin Christine (1626-1689), zur Inspirationsquelle.
„Audienz bei Königin Christine“, heißt zum Beispiel eine neue Werkgruppe, bestehend aus fünf eindrucksvollen Frauenfiguren, die alle bekannten Renaissance- und Barockgemälden nachempfunden wurden. Sie treten hier dreidimensional in den Raum und scheinen sich zu unterhalten. Ursprünglich mögen sie sich nie begegnet sein, hier treten sie miteinander in Kontakt. Was mögen sie sich wohl zu sagen haben?
Es sind vor allem die Gesten der Hände, die einen lebendigen Austausch aber auch Empfindungen und Wesen der Persönlichkeiten ausdrücken. Und tatsächlich sind Gebärden und Gesten, oft dargestellt durch Hände, schon lange ein wichtiges Thema für Sabine Emmerich. Schon des Öfteren hat die Künstlerin diese Gesten auch anhand klassischer Werke der Renaissance erforscht.
Von Königin Christine weiß man, dass sie sehr belesen war, sechs Sprachen sprach, sich für den Westfälischen Frieden einsetzte, Bildung und Kunst förderte und gerne Philosophen und Künstler um sich scharte. „Christine hätte so einen Debattierclub sicher gern gehabt“, sagt Emmerich. Der Königin wird, wie der Künstlerin auch, das Nachdenken über die Dingen und der Austausch, das Diskutieren, das Gespräch und das sich Einmischen wichtig gewesen sein. In dieser, wie auch in den meisten Arbeiten von Sabine Emmerich, spielt diese Auseinandersetzung mit den anderen eine gewichtige Rolle.
So wie Emmerichs Arbeiten aus der Beschäftigung und Reflexion eines bestimmten Themas heraus entstanden sind, so gehört das Nachdenken und -sinnen über ein Werk oder Thema unbedingt zu ihrer Kunst dazu. Bei „Audienz mit Königin Christine“ wird dies durch einen angebrachten Textauszug aus einem Lexikon über „Denken“ und „Besprechen“ verdeutlicht und zusätzlich angeregt.
Auch eine weitere neue Arbeit bezieht sich auf eine Auseinandersetzung und ist selbst Auseinandersetzung mit einem uralten wie auch hochaktuellen Thema: „Mensch und Wolf“.
Darüber hinaus machen einige weitere „klassische Figuren“, Mensch, Tier und Mischwesen wie die drei Grazien von 2014 ihre Aufwartung in der Städtischen Galerie.

Eröffnet wird die Ausstellung „Audienz bei Königin Christinen“ von Sabine Emmerich am Sonntag, den 5. März, in der Städtischen Galerie im Königin-Christinen-Haus, Lindenstraße 11 in Zeven. Einlass ist 14.30 Uhr. Um 15 Uhr spricht die Bremer Kuratorin Simone Ewald die einführenden Worte. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist vom 5. März bis 4. Juni 2017 in Zeven zu sehen. Die Öffnungszeiten des Königin-Christinen-Hauses sind donnerstags und sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr. Schulklassen, Gruppen und Führungen nach Vereinbarung, Tel. 04281-999 800.

Jan Jaap Roosing



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