29.11.2016 / Nachexpressionistische Malerei von Willi Oltmanns


Die Ausstellung „Willi Oltmanns“ wird am Sonntag, den 4. Dezember, in der Städtischen Galerie Zeven im Königin-Christinen-Haus eröffnet.
Einlass ist 14.30 Uhr.
Um 15 Uhr spricht die Kunsthistorikerin Dr. Wiebke Steinmetz von der Willi-Oltmanns-Stiftung aus Delmenhorst die einführenden Worte.
Der Eintritt ist frei.


Willi Oltmanns wird 1905 als jüngstes von 10 Kindern in einer Bauernfamilie in Bant bei Bremerhaven geboren. Anfang der 20er Jahre erlernt er das Malerhandwerk mit dem festen Vorsatz, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. So siedelt er 1924 in die Künstlerkolonie Schreiberau im Riesengebirge um und wird Mitglied der Künstlervereinigung „St. Lukas“. Zu Studienzwecken hält er sich über ein Jahr in Berlin auf, wo er u.a. Max Pechstein im Atelier besucht. Zurück in Mittelschreiberau wird er Mitglied des Schlesischen Künstlerbundes, die Museen Breslau und Görlitz erwerben Bilder von ihm.
1937 wird sein Bild aus dem Görlitzer Museum von den Nationalsozialisten entfernt, und Oltmanns bekommt Ausstellungsverbot. In dieser Zeit beginnt er seine Arbeit als Bühnenbildner. 1942 heiratet er Liselotte Stelzer und wird zum Wehrdienst eingezogen.
Erst 1947 kehrt Oltmanns aus der Gefangenschaft zurück, aber sein Atelier ist zerstört. In Delmenhorst wagt er den Neubeginn, wo er bis zu seinem Lebensende bleibt.
Nun wird er Mitglied der Künstlergilde Esslingen, der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft und des BBK „Junge Gruppe Oldenburg“. Neben seiner Malerei arbeitet er u.a. als Bühnenbildner für das Delmenhorster Stadttheater und macht Entwürfe und Ausführungen von „Kunst am Bau“ in Delmenhorst, Vechta, Cloppenburg und Oldenburg. Außerdem reist er viel und gerne und gibt Kunstunterricht. Und natürlich stellt er seine Werke aus, regelmäßig in der alljährlichen Großen Kunstausstellung in München sowie in Einzelausstellungen in Oldenburg, Bremen, Wilhelmshaven, Bremerhaven, Hamburg, New York und vielen weiteren Orten.
Am 3. Januar 1979 stirbt Willi Oltmanns in Delmenhorst. Heute wird sein Nachlass von der Willi-Oltmanns-Stiftung, Delmenhorst, verwaltet und gepflegt.
Willi Oltmanns Lebenslauf scheint durchaus typisch für eine Künstlergeneration, die zwischen den beiden Weltkriegen aufwuchs und durch die großen Expressionisten geprägt wurde. Ihre Entwicklung wurde durch den Zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen und nach dem Kriege fand sie eine völlig geänderte Kunstwelt vor. Man hat sich von der Gegenständlichkeit losgelöst und nun der abstrakten Kunst zugewandt. Diejenigen, die eine selbstständige Weiterentwicklung einer „Nach-Expressionismus“ verfolgten, wurden kaum noch wahrgenommen. Der Kunsthistoriker Rainer Zimmermann spricht deswegen von der „Verschollenen Generation“ und hat mit seinem gleichnamigen Buch erheblich zu deren „Wiederentdeckung“ beigetragen.
Große Vorbilder für Willi Oltmanns waren vor allem Cézanne und van Gogh, aber auch Max Beckmann hat seine Arbeit nachhaltig geprägt. Wir sehen das zum Beispiel an den Aquarellen und Ölbildern mit den kräftigen schwarzen Konturen, die man eigentlich eher der Grafik zurechnen würde. In Oltmanns Gesamtwerk steht das Aquarell ebenbürtig neben dem Ölbild, wobei ihm in den reifen Werken der 60er und 70er Jahre die vollständige Verschmelzung aller grafischen und malerischen Elemente gelingt. Ein harmonisches Ganzes aus Farbe, Form, Maltechnik und Bildaussage (frei nach Zimmermann).
Die Ausstellung ist vom 4. Dezember 2016 bis 26. Februar 2017 in Zeven zu sehen. Die Öffnungszeiten des Königin-Christinen-Hauses sind donnerstags und sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr. Schulklassen, Gruppen und Führungen nach Vereinbarung, Tel. 04281-999 800.



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