24.11.2016 / Jugendbeteiligung in der Region Börde Oste-Wörpe


"Jugendarbeit ist auch Chefsache"
Der Bürgermeister der Gemeinde Schiffdorf Klaus Wirth informiert über die Jugendbeteiligung in seiner LEADER-Region Wesermünde-Süd.


Siegfried Dierken, Amt für regionale Landesentwicklung, Geschäftsstelle Verden, hatte die Idee zu diesem Gedankenaustausch zwischen den Samtgemeindebürgermeistern aus Sittensen, Selsingen, Tarmstedt und Zeven mit ihrem Kollegen Klaus Wirth aus der Gemeinde Schiffdorf. Die Gemeinde Schiffdorf kann als Teil der LEADER-Region Wesermünde-Süd seit 2011 auf einen erfolgreichen Jugendbeteiligungsprozess zurückblicken, den sie weiterhin kontinuierlich ausbaut. LEADER ist ein EU-Förderprogramm zur Unterstützung des ländlichen Raums, zu der eine Lokale Aktionsgruppe (LAG) gehört, in der gemeinsam mit den Kommunen und den Bürger*innen aus der Region Entscheidungen über die Umsetzung von Projekten getroffen werden. Herr Wirth ist zusätzlich Vorsitzender der LAG Wesermünde-Süd.

Das Treffen fand anlässlich einer Lenkungsgruppensitzung statt, die sich im Rahmen des sog. ILE-Prozesses gegründet hat. ILE steht für "Integrierte Ländliche Entwicklung". Diese soll dazu beitragen, die Lebensqualität im ländlichen Raum nicht nur zu sichern, sondern langfristig noch zu verbessern. Themen wie der demographische Wandel, die regionale Wirtschaftsentwicklung, Tourismus, der Natur- und Klimaschutz, aber auch die Innenentwicklung der Dörfer, das soziale Leben mit seiner Kultur und Freizeit sollen in den kommenden Jahren behandelt und daraus entwickelte Projekte zur Umsetzung gebracht werden. Der Lenkungsgruppe gehören die Samtgemeindebürgermeister, das Amt für regionale Entwicklung, der Landkreis und das Regionalmanagement an. Das Regionalmanagement besteht aus von der ILE-Region Börde Oste-Wörpe beauftragten Planungsbüros, die die Integrierte ländliche Entwicklung der Region begleiten und unterstützen.

Die dauerhafte Beteiligung von Jugendlichen als "Erwachsene von morgen und Senioren*innen von übermorgen" in regionalen Entwicklungsprozessen sollte zu jeder Entwicklung einer Region gehören, so Wirth. Dieser Prozess könne aber nur gemeinsam
gelingen. Dabei sei es wichtig, die Jugendlichen in eine Position verantwortlicher und gleichberechtigter Mitentscheidung zu bringen. Zu erfahren, welche Themen und Fragen aus Sicht der Jugendlichen für eine Region bedeutsam sind, sei der erste Schritt bei jeder regionalen Jugendbeteiligung. Der Region Wesermünde-Süd kam es bereits 2011 vor allem darauf an, den Dialog zwischen den Jugendlichen, den kommunalen Vertretern*innen und weiteren Beteiligten zu eröffnen, zumal sich Jugendliche − insbesondere mit Migrationshintergrund − von kommunalen Entscheidungsprozessen oftmals ausgeschlossen fühlen. Wichtig sei es dabei auch, mit den Jugendlichen zusammen ein gemeinsames Beteiligungsverfahren zu finden.

Dies funktioniert inzwischen in seiner Gemeinde und der Region Wesermünde-Süd sehr gut, aber es müssten sich alle gemeinsam von den Jugendpflegern*innen, den Schulen, bis hin zu den Bürgermeistern*innen engagiert darum kümmern. Deshalb sei Jugendbeteiligung in ihrer Bedeutung auch als "Chefsache“ anzusiedeln. So gebe es in Schiffdorf auch seit vielen Jahren die "Kinder-, Jugend- und Elterntage", an denen regelmäßig viele Kinder und Jugendliche und auch Gemeindepolitiker teilnehmen. Zusätzlich ist als politisches Gremium ein Kinder- und Jugendausschuss eingerichtet worden, welcher sich mit den Themen der Jugend befasst.

In den Sitzungen, an denen sich Jugendliche beteiligen, würde lebhaft diskutiert. Auch die Sprache ändert sich dadurch. "Wenn Jugendliche Prozesse und Vorgehensweisen verstehen und daran teilhaben sollen, nützt `Beamtendeutsch´ nicht viel", führte Wirth weiter aus.

Dass Jugendbeteiligung ein ständiger sich lohnender Entwicklungsprozess ist, bestätigt auch Frank Holle, Samtgemeindebürgermeister Tarmstedt. Um die vielen Gruppen, wie die Landjugend, die Teilnehmer*innen und Organisatoren*innen der Berufsinformationsmesse der IGS Tarmstedt und viele mehr müsste sich kontinuierlich gekümmert werden. Auch die Samtgemeinden Zeven, Sittensen und Selsingen befürworten die regionale Jugendbeteiligung. Gerhard Kahrs, Samtgemeindebürgermeister Selsingen, schlägt vor, auch die Kirchen bei der Jugendbeteiligung zu berücksichtigen. In der Samtgemeinde Zeven würden die Türen für eine regionale Jugendbeteiligung ohnehin weit offen stehen, betonen
Samtgemeindebürgermeister Jürgen Husemann und Christoph Reuther. Stefan Tiemann, Samtgemeindebürgermeister Sittensen, sieht auch auf Basis der geplanten regionalen Jugendbeteiligung im ILE-Prozess, die Möglichkeit, das seit längerer Zeit leider ruhende Jugendparlament in Sittensen wieder zu beleben.

Nach der Schilderung der Erfahrungen aus der Region Wesermünde-Süd fühlen sich die Samtgemeindebürgermeister der Region Börde Oste-Wörpe noch mehr bestärkt, ihren Jugendbeteiligungsprozess in ihrer ILE-Region zu starten.

Einig sind sich alle aber auch darin, den Rat von Herrn Wirth anzunehmen und den regionalen Jugendbeteiligungsprozess allmählich auf- und auszubauen. So ist zunächst in diesem Jahr erst einmal die Zusammenarbeit mit den Schulen und ein Jugendworkshop geplant. Aber gleich danach soll es mit allen weiteren Jugendgruppen, wozu auch die jungen Erwachsenen gehören, weitergehen.



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