16.09.2016 / »Ein Mann wie Lessing täte uns not« / Zevener Geschichtsvortrag 2016 am 23. Sep. 2016


»Ein Mann wie Lessing täte uns not«
Gotthold Ephraim Lessing zwischen Herzog, Hof und Bibliothek

Vortrag mit Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel am 23. September 2016, 19.00 Uhr im Königin-Christinen-Haus in Zeven

Als Gotthold Ephraim Lessing 1770 an die herzogliche Bibliothek in Wolfenbüttel berufen wurde, war er bereits ein berühmter Mann: als Dichter, Kritiker, Dramaturg und Gelehrter. In Wolfenbüttel vollendete Lessing das bürgerliche Trauerspiel "Emilia Galotti" und schrieb das Drama "Nathan der Weise". Sein letztes Lebensjahrzehnt im Dienst des Braunschweigischen Hofes steht im Mittelpunkt des nächsten Zevener Geschichtsvortrages mit Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel am Freitag, den 23. September um 19 Uhr im Königin-Christinen-Haus.



Das Verhältnis von Lessing zum Braunschweiger Hof war ein äußerst ambivalentes. Sicherlich erkannte er die deutlich liberalen Strukturen der Zeit an, die den Hof in seiner Politik gegenüber vielen anderen Kleinstaaten auszeichneten und »das Herzogtum zu einem der tolerantesten Staaten in Deutschland machten« , gleichzeitig litt er unter der Enge und seiner Abneigung gegenüber höfischen Sitten. Sind auch Lessings Abneigungen höfischer Gewohnheiten grundsätzlicher Natur gewesen, so hinderte ihn dies nicht, im Einzelfall durchaus eine positive Haltung gegenüber Vertretern des Braunschweiger Hofes einzunehmen. Dies galt insbesondere für das ältere Herzogspaar Carl I. und Philippine Charlotte sowie Carls Bruder Herzog Ferdinand. Wenn auch Lessings Dienstantritt unter der Regierung von Carl I. erfolgte, so war doch die entscheidende Bezugsperson am Hof der Erbprinz Carl Wilhelm Ferdinand. Ende 1769 war es zu einer Begegnung von Lessing mit dem Erbprinzen gekommen. Es war ein in jeder Hinsicht zufrieden stellendes Treffen. Obwohl strengste Sparsamkeit herrschte, wurde die Bibliothekarsstelle für Lessing eingerichtet und bereits am 15. Dezember 1769 die Anstellung offiziell verkündet.
Alltagsroutine und persönliche Dramatik, literarische Genialität und bürokratische Unerträglichkeit, Anerkennung, Freundschaften, Ruhm und Anfeindungen – alle Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens spiegeln sich gerade auch im letzten - »braunschweigischen«- Lebensjahrzehnt. Goethe meinte 1825: »Ein Mann wie Lessing täte uns not. Denn wodurch ist dieser so groß als durch seinen Charakter, durch sein Festhalten! – So kluge, so gebildete Menschen gibt es viele, aber wo ist ein solcher Charakter!«

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Zevener Geschichtsvorträge statt und wird von der vhs Zeven und dem Museum Kloster Zeven in Kooperation mit dem Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig durchgeführt.



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