24.05.2016 / »Die Welfen und Europa« Zevener Geschichtsvortrag am 27. Mai 2016


Herzog August der Jüngere (1579-1666) / Regent – Reichspolitiker und gelehrter Büchersammler

Er galt und gilt als der Gelehrte auf dem Herzogthron, der seine Residenz in Hitzacker (sein Ithaka) hatte und sich hier mehr als 30 Jahre überwiegend dem Studium und den Wissenschaften widmete, sich aber auch als gnadenloser Hexenverfolger betätigte. In Hitzacker schuf er die Grundlage für seine später weltberühmte Bibliothek in Wolfenbüttel. Herzog August der Jüngere steht im Zentrum des nächsten Zevener Geschichtsvortrags mit Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel, der am kommenden Freitag um 19 Uhr im Königin-Christinen-Haus stattfindet.


August der Jüngere wurde am 10. April 1579 in Dannenberg als jüngster Sohn von Herzog Heinrich aus Celle (1533–1598) und seiner Gemahlin Ursula, geborene Herzogin zu Sachsen-Lauenburg (1545–1620) geboren. Mit fünfzehn Jahren begann er ein Studium in Rostock, das er im folgenden Jahr 1595 in Tübingen fortsetzte und sehr gründlich Theologie, römische Geschichte, römisches Recht, Staatslehre, Astronomie und Geheimwissenschaften studierte. Seine anschließenden Reisen durch Italien und Sizilien, nach Malta, Holland, Frankreich und England haben zweifelsohne Augusts geistige Welt entscheidend geprägt und die Grundlagen für ein weitverzweigtes europäisches Netzwerk geschaffen. Neben den wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Aktivitäten hatte er in seiner Zeit in Hitzacker zugleich beharrlich die politischen Grundlagen geschaffen, um überraschend nach dem Tod von Herzog Friedrich Ulrich (1591-1634) in Braunschweig 1634 entgegen den Erwartungen den Braunschweiger Thron zu übernehmen. Eine spannende und geradezu abenteuerliche Familien –und Landesgeschichte mitten in den weltbewegenden Ereignissen des »Großen Kriegs« in Deutschland. Zweifelsohne hat Herzog August der Jüngere sich nach dem Regierungsantritt in Braunschweig 1635 intensiv darum bemüht, mitten im Dreißigjährigen Krieg den Kriegszustand für das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zu beenden, was ihm mit dem Sonderfrieden von Goslar 1642 gelang.
Herzog August hat sich in der Folge ebenso als erfahrener Reichspolitiker erwiesen, dessen politische Überlegung nicht auf den Status Quo, sondern auf die zukünftige Entwicklung gerichtet gewesen war. Die Veränderung der territorialen Landschaft Norddeutschlands durch den Westfälischen Frieden forderte seine politische Aufmerksamkeit. Die Stärkung der Position Schwedens, die immer deutlicher werdenden absolutistischen Tendenzen Habsburgs und das Vormachtstreben Frankreichs erforderten eine wohl überlegte Sicherheitspolitik gegenüber den europäischen Mächten, dem Kaiser, sowie Nachbarn wie Schweden und Brandenburg.
Viel zu selten werden die reichspolitischen Aktivitäten des Herzogs näher betrachtet, gilt er doch vor allem als der »Gelehrte auf dem Herzogthron«. Doch nicht zuletzt seine reichspolitische Bedeutung war es, die den Welfen in Hannover und Braunschweig die Zukunft sicherte. Ein spannendes Thema beim nächsten Zevener Geschichtsvortrag am Freitag, dem 27.05.2016, um 19 Uhr im Königin-Christinen-Haus. Die Veranstaltung wird von der vhs Zeven und dem Museum Kloster Zeven in Kooperation mit dem Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig durchgeführt.



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