27.11.2015 / Ausstellungseröffnung am 6. Dez. 2015: Objekte/Installationen von Barbara Lorenz Höfer


RAUMSPRUNG

Ein Gerüstkörper in feurig leuchtendem Rot erstreckt sich durch drei Kabinette der Städtischen Galerie in Zeven. Er macht sich breit, lässt dem Besucher kaum Platz zum Durchkommen. Ist er im Raum gefangen, oder hier gestrandet? Ohne schützende Hülle, wie ein liegengebliebenes skelettartiges Gerippe. Vielleicht der Rumpf eines Schiffes, oder doch eher der eines Raumschiffes oder Ufos?


Seit vielen Jahren überrascht die Buxtehuder Künstlerin Barbara Lorenz Höfer immer wieder mit voluminösen Holz-Papier-Skulpturen. Mit raumeinnehmenden Objekten, Inszenierungen und Environments. Künstlerische Arbeiten, die sich mit der Beziehung zwischen Objekt und der Umgebung auseinandersetzen und die Umgebung Teil des Kunstwerkes werden lässt.
Immer wieder tauchen diese rumpfartigen Formen auf. „Körper“ in übertragendem Sinne, die wie der menschliche Körper „schön“, aber auch fragil und äußerst verletzlich sind. Je nachdem mit welchen aktuellen gesellschaftlichen, sozialen oder religiösen Fragen die Künstlerin sich gerade auseinandersetzt, entstehen Formen, die unterschiedlichste Assoziationen hervorrufen. Einiges hiervon wird in der Zevener Ausstellung gezeigt.
Das neueste, extra für die Räume der Städtischen Galerie in Zeven entwickelte Objekt RAUMSPRUNG hat aktuelle Bezüge. Es wirft viele Fragen auf, die durchaus auch in Zusammenhang mit der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation der Flüchtlingslage gesehen werden können:
Was ist womöglich aus fernem Raum hierher „gesprungen“? Was ist nun hier im Raum, was anscheinend nicht hierher gehört? Was nicht wirklich in den Raum passt, wird leicht zum „Fremdkörper“, wirkt befremdlich oder gar beängstigend! Dabei ist es seiner eigenen schützenden Hülle beraubt, wirkt eher nackt und wehrlos. Werden wir bedroht, oder braucht es lediglich unseren Schutz und Hilfe? Wie sollten wir damit umgehen? Lässt es sich in unseren Raum integrieren oder ist es schlicht zu groß?
Dabei unterstreicht das Objektmaterial Pappe sowohl die Empfindlichkeit und Fragilität wie auch den temporären Charakter. Die Signalfarbe Rot warnt und führt uns das Ganze unübersehbar vor Augen, so dass wir kaum darüber hinwegsehen können.
Die Auseinandersetzung mit Menschheitsfragen, aktuellen Themen und sozialen Missständen, gehört für Barbara Lorenz Höfer ebenso zur Kunst dazu, wie das offene und kritische Hinterfragen, Anprangern und Mahnen. Geboren wurde die Künstlerin 1958 in Jork. Von 1977 bis 1980 lernte sie Holzbildhauerei an der Fachschule in Oberammergau, um anschließend ein Studium der Kunstgeschichte an der Universität Hamburg zu absolvieren. Seit den späten achtziger Jahren entfernt sie sich immer weiter von der klassischen Holzbildhauerei und lässt sich u.a. durch die Industriearchitektur des Ruhrgebietes, aber auch durch die Schiffsspanten eines Frachters zu neuen größeren und raumeinnehmenden Formen inspirieren. Heute lebt und arbeitet Barbara Lorenz Höfer in Buxtehude.
Die aufwendige Ausstellung RAUMSPRUNG kam dank Unterstützung des Landschaftsverbandes Stade mit Mitteln des Landes Niedersachsen zu Stande. Begleitet werden die Arbeiten von eigens hierfür komponierter Musik des Pianisten Frederik Feindt aus Rosengarten. Die Ausstellung ist Sonntag, den 6. Dezember ab 14.30 Uhr geöffnet. Um 15 Uhr spricht zur Eröffnung die freie Kuratorin Dietrun Otten, M.A. aus Celle die einführenden Worte.
Die Ausstellung RAUMSPRUNG bleibt bis zum 28. Februar 2016 in der Städtischen Galerie im Königin-Christinen-Haus, Lindenstraße 11 in Zeven zu sehen. Die Öffnungszeiten sind donnerstags und sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr, sowie für Schulklassen, Gruppen und Führungen nach Vereinbarung (Tel. 04281-999 800). Der Eintritt ist frei.

Jan Jaap Roosing



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