14.10.2015 / Zevener Geschichtsvorträge 2015: »Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen«

Freitag, 16. Oktober 2015, 19.00 Uhr im Königin-Christinen-Haus

Gemeinsame Veranstaltung von vhs und Museum Kloster Zeven in Kooperation mit dem Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig

Walter Kempowski als Chronist eines Jahrhunderts steht im Mittelpunkt des nächsten Zevener Geschichtsvortrags. Am kommenden Freitag um 19 Uhr wird Prof. Dr. h.c. Biegel im Zevener Königin-Christinen-Haus über den Schriftsteller und vor allem über dessen Mammutwerk „Das Echolot“ sprechen.


Schon seit langem beschäftigt sich Prof. Biegel mit „historischen Schriftstellern“ oder „literarischen Historikern“ wie Ricarda Huch oder Wilhelm Raabe. Da liegt es nahe, im Rahmen der Zevener Geschichtsvorträge den 2007 verstorbenen Walter Kempowski zu würdigen, der sich in seinem literarischen Werk mit der Geschichte der Deutschen im 20. Jahrhundert auseinandersetzte. Bekannt geworden war der in Nartum bei Zeven ansässige Schulmeister und Schriftsteller in den 1970er Jahren mit Büchern wie „Tadellöser & Wolff“ und „Uns geht’s ja noch gold“. Sie waren Teil des Romanzyklus „Deutsche Chronik“, der die Geschichte seiner Familie vom Ende des 19. Jahrhunderts bis ca. 1960 erzählt.
1980 gründete Kempowski das Archiv für unpublizierte Autobiografien. Hier sammelte er Lebenserinnerungen, Tagebücher, Briefe, Fotoalben und Foto und vieles mehr. Die Aufzeichnungen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges bildeten dann die Basis für „Das Echolot“. Dieses Werk wird im Mittelpunkt des Vortrags stehen und weniger die Biografie und die Romane des Autors.
Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat Walter Kempowski an seinem zehn Bände mit insgesamt etwa 9000 Seiten umfassenden "kollektiven Tagebuch" des Zweiten Weltkriegs gearbeitet. Die ersten vier Bände der Collage aus zeitgenössischen Aktenvermerken, Berichten, Briefen und Tagebuchaufzeichnungen erschienen bereits 1993, der letzte Band 2005. Für diese "Dokumentation der Gleichzeitigkeit", wie er das Werk selbst einmal nannte, erhielt er internationale Anerkennung.
Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel wird in seinem Vortrag einen „Historikerblick“ darauf werfen. Wo steht das Werk zwischen Geschichte und Literatur? Wie kann man es einordnen, als historische Quellen oder historische Literatur? Kempowski entzieht sich üblichen Kategorien und erweist sich mit seinem „Echolot“ als Meister des virtuosen Spiels mit der sich selbst interpretierenden Quellenauswahl.
Die Veranstaltung wird von der vhs Zeven und dem Museum Kloster Zeven in Kooperation mit dem Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig durchgeführt.



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