31.08.2015 / Gefundene Zwischenwelten / Ausstellung von Volker Dietz vom 6. Sep. bis 29. Nov. 2015

„Wenn ich mit dem Zeichnen oder Malen beginne, weiß ich nur selten genau, was ich zeichnen oder malen will“, sagt der etwas zurückgezogen in Bremen lebende Künstler Volker Dietz, der ohne weiteres zu den großen Zeichnern unserer Zeit gezählt werden darf.


Er fängt einfach an, den Bleistift über das weiße Blatt zu bewegen. Intuitiv entstehen bewegte Spuren, Anhäufungen und Strukturen. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Format beginnt. Dabei spielt der „Zu-fall“ eine gewichtige Rolle und es wird experimentiert, wegradiert, übermalt oder kurzerhand das ganze Blatt gedreht. „Bewusst möchte ich vermeiden, mich durch zu feste und exakte Vorstellungen vorschnell festzulegen“ und weiter: „-oft wird bereits durch ein scheinbar zielloses Hinkritzeln eine Idee, ein Gedanke sichtbar. Auch wenn nur für mich selbst ein lesbares Gefüge von Linien entstanden ist“, sagt der Künstler. Doch irgendwann in diesem sich über einen längeren Zeitraum hinziehenden Arbeitsprozess entsteht allmählich eine klare Vorstellung des sich formenden Ganzen. Aus Striche und Linien wachsen metamorphe Gebilde oder Bergformationen. Tiefe Erdschluchten und Abgründe tun sich auf. Oder Erdschichtungen werden zu Häuserzeilen, die wie Kathedralen in den Himmel wachsen. Nicht Bestehendes wird hier nachgebildet, Seelenlandschaften und fremdartige Zwischenwelten werden gefunden!
Neben diesen meisterhaften, manchmal großformatigen Zeichnungen entstehen farbige Miniaturen. Hier sind es zunächst die unterschiedlich verlaufenden farbigen Flächen, die das Blatt prägen und den Künstler zu einer zeichnerischen Überarbeitung drängen. Noch öfters als in der Zeichnung bleibt es hier bei der Abstraktion als reinem Spiel von Form und Farbe, das den Betrachter zum Hereinversenken einlädt und eine wahre Flut an Assoziierungen auslösen kann.
Volker Dietz wurde 1936 in Coburg geboren. Ein Kunststudium an der Werkschule Braunschweig wurde an der Hochschule für Bildende Künste in Stuttgart fortgesetzt. Hier erhielt er 1960 den ersten Preis für Malerei und 1961 den ersten Preis für Grafik. 1962 machte er sein Staatsexamen für Kunstpädagogik sowie ein Examen für Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart. Bis 1964 unterhielt er sein eigenes Atelier in Stuttgart, dann begann seine langjährige Lehrtätigkeit in Bremen. Parallel arbeitet Volker Dietz bis heute als Zeichner und Maler, seine Werke wurden auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt.
Am Sonntag, den 6. September wird die Ausstellung „Gefundene Zwischenwelten“ in der Städtischen Galerie im Königin-Christinen-Haus, Lindenstraße 11 in Zeven eröffnet. Einlass ist ab 14.30 Uhr, um 15 Uhr spricht die Kulturwissenschaftlerin Donata Holz aus Worpswede die einführenden Worte. Die Ausstellung bleibt bis zum 29. November 2015 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind donnerstags und sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr, sowie für Schulklassen, Gruppen und Führungen nach Vereinbarung (Tel. 04281-999 800). Der Eintritt ist frei.



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