08.06.2015 / 200 Jahre Waterloo und Wiener Kongreß / Geschichtsvortrag am 12. Juni 2015

Im Juni vor 200 Jahren ging der Wiener Kongress zu Ende, in dem Vertreter von rund 200 Staaten eine Neuordnung Europas ausgehandelt hatten. Über den Weg zu diesem diplomatischen Ringen, aber auch die Folgen für Europa und Hannover/Braunschweig spricht Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel am Freitag, 12. Juni um 19 Uhr im Zevener Königin-Christinen-Haus im Rahmen der „Zevener Geschichtsvorträge“.


Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig war einer der bekanntesten deutschen Heerführer der Befreiungskriege. Er folgte seinem Vater, Herzog Carl Wilhelm Ferdinand, 1806 auf dem Thron nach, jedoch war das Herzogtum Braunschweig, ebenso wie das Kurfürstentum Hannover von Franzosen besetzt und Teil des Königreiches Westphalen. Im Krieg 1809 stellte Friedrich Wilhelm eine eigene Truppe auf, die »Schwarze Schar« und führte diese von Zwickau, über Braunschweig und Hannover, durch westfälisches, französisch besetztes Territorium bis Elsfleth, wo er am 6. August 1809 nach England übersetzte. Diese Entwicklung geschah vor dem Hintergrund der napoleonischen Hegemonialpolitik. Mit dem Scheitern des Russlandfeldzugs der Grande Armée im Winter 1812 auf 1813 nahm auch in weiten Teilen Europas der Widerstand zu und wurde zum Signal für den allgemeinen Abfall von der französischen Vorherrschaft. Am 16. Oktober 1813 begann bei Leipzig die bis dahin größte Schlacht, an deren Ende die Napoleonische Herrschaft über Deutschland und Europa in wenigen Tagen zusammenbrach. Zur Klärung der Gesamtlage in Europa traf man sich zum Kongreß in Wien. Noch während die Staatsmänner Europas auf diesem »Wiener Kongreß« verhandelten, kehrte Napoleon überraschend zurück. Am Ende dieses Intermezzos standen am 18. Juni 1815 die Niederlage von Waterloo und die endgültige Verbannung.
Nicht nur auf dem diplomatischen Parkett mussten die hochrangigen Verhandlungsführer unter Vorsitz des österreichischen Außenministers Fürst Metternich Geschick und Gewandtheit beweisen. Sie tummelten sich auf zahlreichen Festen und prächtigen Bällen, was zu der Klage führte: „Der Kongress tanzt, aber er kommt nicht vorwärts“. Doch hatten diese Feste einen nicht zu unterschätzenden politischen Wert: "Nur die Preußen brauchten lange, um zu begreifen, dass die Lustbarkeiten für ein Klima der Toleranz sorgten" wurde in einem zeitgenössischen Bericht vermerkt. Das Gleichgewicht der 5 Großmächte Frankreich, England, Preußen, Russland und Österreich wurde mit territorialen Abtretungen, Verschiebungen und Zugewinnen ausbalanciert. Der Deutsche Bund wurde zudem als Zusammenschluss von 39 souveränen Einzelstaaten gegründet. Hannover wurde zum Königreich erhoben und durch Ostfriesland, Meppen und Lingen, das Kurfürstentum Hildesheim und das nördliche Eichsfeld vergrößert. Das Herzogtum Braunschweig wurde in seinen ursprünglichen Grenzen wiederhergestellt.
Die Ergebnisse des Wiener Kongresses brachten Europa eine lange Zeit des Friedens, aber auch die Unterdrückung nationalstaatlicher Bestrebungen und liberaler Ideen. Am Ende stand die Grundlegung des modernen Deutschland und des modernen Europa mit nachhaltigen Folgen bis in unsere Zeit.
Mehr erfahren Interessierte am Freitag, dem 12.06.2015, um 19 Uhr im Königin-Christinen-Haus. Die Veranstaltung von der vhs Zeven und dem Museum Kloster Zeven in Kooperation mit dem Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig durchgeführt.



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