Zeven

01.06.2015 / Joachim Manz: "Wasserschaden im Anglerheim" Ausstellungseröffnung am 07. Juni 2015


Betonminiaturen
Skulptur und Architektur sind wesensverwandt, beide beziehen sich auf den dreidimensionalen Raum. Beide „bewegen“ und orientieren sich anhand horizontaler und vertikaler Raumachsen, dehnen sich aus, bilden Körper, Hohlräume, Öffnungen. Beide spielen mit Raum und Räumlichkeiten, mit Innen-Außen, Höhe und Tiefe, Begrenzung und Öffnung.


Bei kaum einem Künstler wird dies so deutlich wie bei Joachim Manz. Seine Skulpturen haben so manche Bezüge zur Architektur, könnten zunächst sogar als Architekturmodelle gedeutet werden. Jedoch handelt es sich kaum um eine real nutzbare und auch nicht um eine utopische Architektur. Eher sind es illusionistische oder surrealistische Bauwerke. Bei näherer Betrachtung wird deutlich: es handelt sich keineswegs um Modelle, sondern um die in Beton gegossenen Bauten selbst. „Betonminiaturen“ eben, fremdartige und manchmal unheimliche Raumkonstruktionen in handwerklich perfekter Ausführung. Weitere Baumaterialien wie Glas, Stahl, Keramik oder Ziegel finden ebenfalls Verwendung.
Wir sehen keine skulpturale Architektur, aber architektonische Skulpturen, deren Räume Bezüge zu seelischen Räumen bilden. Der Künstler selbst deutet - indem er auf die „labyrinthischen Schriften“ von Pessoa hinweist - diese Verbindung zwischen architektonischen Gebilden und Traumwirklichkeit an. Die bekannte Kunsthistorikerin Doris von Drathen schreibt dazu: „Wir überwinden Lebensstufen, durchqueren Bewusstseinsräume, entdecken verborgene Seelenwinkel, gehen durch Traumtore, verfolgen Gedankengänge, wir haben Gewohnheiten und Geheimnisse, suchen Fundamente, Ecksteine, Konstruktionen und Gerüste für unsere Vorstellungswelt“ (Katalogtext, Paris, 1999).
Der Ausstellungstitel „Wasserschaden im Anglerheim“ ist eine Zusammenstellung der Titel zweier neuerer Arbeiten, die in der Ausstellung zu sehen sind. Er verweist einerseits auf das für mehrere Arbeiten wichtige Element Wasser. Anderseits deutet er auf humorvolle Art eine bestimmte surreale Absurdität an, die ebenfalls in diesen sonst sachlich nüchtern anmutenden Bauwerken zu finden ist.
Diese besondere Ausstellung konnte nur mit Hilfe der großzügigen Unterstützung der „Bürgerstiftung der Zevener Volksbank“ in Zeven realisiert werden. Die Ausstellung wird am Sonntag, den 7. Juni um 14.30 Uhr eröffnet. Pünktlich um 15 Uhr spricht die Kunstkritikerin Dr. Inken Steen (Radio Bremen) die einführenden Worte. Jedermann ist herzlich willkommen.
Ab 16 Uhr findet im Skulpturengarten hinter dem Hause das Serenadenkonzert mit Violine, Violoncello, Querflöte und Piano statt. Der Eintritt ist frei.

Jan Jaap Roosing



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