Zeven

17.06.2014 / Zevener Geschichtsvortrag am 20. Juni 2014

»Sex, Glücksspiel, Alkohol und Frauen« König Georg IV.(1762-1830) – Herrscher über zwei Königreiche und „frei von jeglichen positiven Qualitäten“

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel, Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig

Er war mit der braunschweigischen Prinzessin Caroline verheiratet, seine Tochter Charlotte galt als Thronerbin Englands, zwischen 1815 und 1826 bestimmte er maßgeblich die Geschicke Braunschweigs, und in unserer Zeit hat ihm Barbara Cartland in ihren Trivialromanen ein millionenfaches Denkmal gesetzt. Die Rede ist von dem Prinzen von Wales, Georg, dem späteren englischen König Georg IV. (1762 - 1830). Am kommenden Freitag, den 20. Juni 2014 wird Prof. Dr. h.c. Biegel im Zevener Königin-Christinen-Haus über Ausschweifungen, Intrigen und politische Wirrnisse im Leben des verschwenderischen Regenten referieren.


Georg, Prinz von Wales, war am 12.8.1762 geboren worden und hatte eine sorgfältige Erziehung und strenge wissenschaftliche Ausbildung erfahren. Auch wenn er eine besondere Vorliebe für Geschichte besaß, so neigte er mehr zu sportlichen Unternehmungen wie Jagen und Boxen, und er galt als herausragender Wagenlenker. Betont werden in den Berichten der Zeit auch das gute Aussehen des jungen Prinzen, seine geistreiche Konversation und eine fast fanatische Sammelleidenschaft für Kunstobjekte. Als er volljährig war, entwickelte er sich rasch zu einem Liebling der Londoner Frauenwelt.. Als »Erster Gentleman des Reiches«, wie er sich zu bezeichnen pflegte, war er gern gesehener Gast in den verschiedenen Londoner Clubs, zumal er haltlos spielte, den Alkohol und die Frauen liebte und großzügig mit Geld um sich warf. Sein schlechter Ruf und seine Schulden vermehrten sich rasant, und die Mahnungen des Königs blieben erneut erfolglos. Den Höhepunkt dieser negativen Entwicklung bildete aber sein Verhältnis zur Dauer-Mätresse Mrs. Fitzherbert, die er während eines Gelages 1785 sogar nach katholischem Ritus offiziell geheiratet haben soll. Nach katholischem Eherecht war die Ehe gültig, nach englischem Recht allerdings nicht. Dieser Skandal, der schließlich zu einer Anfrage im Parlament führte, sowie die hohe Verschuldung zwangen König Georg III. um der Monarchie willen zur Reaktion. Er selbst sah, ebenso wie angesehene Kreise der Politik, die englische Monarchie durch das Verhalten des Kronprinzen ernsthaft gefährdet. Das Ergebnis war die Absprache des englischen Hofes mit Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig über die Ehe des Prinzen von Wales mit Prinzessin Caroline von Braunschweig.
Damit setzte ein Ehedrama ein, das über Jahre hinweg die Medien und die Öffentlichkeit mit sensationslüsternem Interesse verfolgten. Es bestand noch nicht einmal das Verhältnis einer kühlen Freundschaft. Schon nach drei Monaten in der Ehe lebten beide Ehepartner weitgehend getrennt. Dies änderte sich auch nicht, als am 7. Januar 1796 die Tochter Charlotte geboren wurde. Seinen Höhepunkt erfuhr das Geschehen bei der Krönung Georgs IV., als Königin Caroline von England von den Krönungsfeierlichkeiten auf Weisung ihres Ehemannes in demütigender Form ausgeschlossen wurde.

Vernichtend letztlich für beide das bittere Urteil der Tochter: »Meine Mutter ist schlecht; sie wäre aber nicht so schlecht, wenn mein Vater nicht noch viel schlechter wäre«.
Die Sympathie für Georg IV. beim britischen Volk war ambivalent und erreichte zeitlebens nicht diejenige seiner skandalumwitterten sowie gedemütigten Frau Caroline. Das sollte sich auch bei seinem Tod am 26. Juni 1830 erweisen: »Nie ist ein Verstorbener von seinen Mitmenschen weniger betrauert worden als dieser König«, konnten die Leser der »Times« mit Erstaunen im Nachruf auf den König lesen und dazu die Schlußfolgerung, weiter bleibe nichts zu sagen über Georg IV., »nur zahlen müssen werden wir noch lange für seine Verschwendungssucht«.

Mehr erfahren Interessierte am kommenden Freitag um 19 Uhr im Königin-Christinen-Haus. Die Veranstaltung von der vhs Zeven und dem Museum Kloster Zeven in Kooperation mit dem Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig durchgeführt



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