Zeven

28.02.2014 / Austellung von Dirk Meinzer vom 2. März bis zum 25. Mai 2014


Odradeks / Objekte und Assemblagen von Dirk Meinzer

Eine höchst ungewöhnliche Ausstellung im Zevener Königin-Christinen-Haus wartet mit einem ebenso ungewöhnlichen Titel auf. Ist es der Name eines gruseligen Zauberers oder eines geheimnisvollen Erdwesens? Oder doch eher ein Fachausdruck, der lediglich einen bestimmten grotesk-amorphen Kunststil umschreibt?


Schon dieses Rätselraten gehört zum künstlerischen Konzept des in Deinste lebenden Künstlers Dirk Meinzer. Möglich ist auch, dass man sich an die vieldeutige und rätselhafte Gestalt „Odradek“ aus einer Kurzgeschichte von Franz Kafka erinnert. Diese kaum einzuordnende Figur mit sowohl dingartigen, wie auch menschlichen Eigenschaften wird zumeist als Frage nach einem Sinn gedeutet.
Als ähnlich rätselhaft und vieldeutig können die Arbeiten des manchmal als „moderner Hexenmeister“ bezeichneten Künstlers angesehen werden. Seine Objekte und Assemblagen aus Spaghetti, Käfern, Glasaugen, Insektenflügeln, phosphoreszierender Farbe und vielem mehr sind schaurig schön, humorvoll grotesk, abstoßend hässlich und faszinierend zugleich. Gesichter von Tiergeistern, Mischwesen, Dämonen und Schreckpopanzen künden von einer magischen Zwischenwelt.
Für Annet Reckert (Kuratorin der Kunsthalle Göppingen) ist Meinzer ein „ausgesprochen kenntnisreicher, aber auch spitzbübischer Ethnokult-Junkie, der seine in der Kindheit verwurzelte Schwarzwald-Faszination mit Papua-Neuguinea, China, Mexiko und vor allem mit Afrika verquickt“.
Die Sirenen waren es, die Meinzer einst als Feldforscher an die Küste Tansanias lockten. Hier hoffte er den äußerst seltenen Dugong („Seekuh“) zu sichten. Eines der letzten lebenden Wesen, welches direkt mit den aus den Mythen bekannten Mischwesen und Verführerinnen aus dem Totenreich in Verbindung gebracht wird. Hier lebte er einige Zeit im Busch, lernte die örtlichen Hexer kennen und erlebte, wie Mythos und Realität sich durchdringen und ineinander aufgehen können.
Meinzer erforscht Mythen und Kulturen, überschreitet Grenzen und laviert mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen Alchemie, Scharlatanerie und Neo-Schamanismus. Arbeitsmaterialien für sein rauschhaftes, schöpferisches Spiel findet er überall: in der Natur, in den Abfällen der Wohlstandsgesellschaft oder auch in den deutschen Asservatenkammern, wo ihm bereitwillig Material zur Verfügung gestellt wurde.
Dirk Meinzer, 1972 in Karlsruhe geboren und im Schwarzwald aufgewachsen, studierte zunächst Betriebswirtschaft in Berlin, um dann an der Humboldt-Universität Philosophie und schließlich Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg zu studieren. Von Hamburg aus hat er seinen Lebensmittelpunkt mehr und mehr nach Deinste verlagert, wo er im ehemaligen Clubhaus eines Tennissportvereins ein geräumiges Atelier bezog.
Aus dem umfangreichen, aus unterschiedlichsten Werkgruppen bestehenden Gesamtwerk, werden in der Städtischen Galerie im Zevener Königin-Christinen-Haus schwerpunktmäßig seine Assemblagen oder „Schreckpopanzen“ gezeigt, die ab ca. 2004 angefertigt wurden.
Mit Unterstützung der Stiftung der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde entstand extra für diese Ausstellung in Zeven eine kleine limitierte Sonderauflage von Siebdrucken, die während der Schau in der Städtischen Galerie erworben werden können.
Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, den 2. März um 15 Uhr spricht die Kunstwissenschaftlerin, Künstlerin, Verlegerin und Galeristin Nora Sdun aus Hamburg. Der Hamburger DJ Mignon sorgt für die musikalische Begleitung. Jedermann ist herzlich willkommen und der Künstler ist anwesend.
Die Ausstellung „Odradeks“ mit Objekten und Assemblagen von Dirk Meinzer ist bis zum 25. Mai 2014 in der Städtischen Galerie im KÖNIGIN-CHRISTINEN-HAUS, Lindenstraße 11 in Zeven zu sehen. Die Öffnungszeiten sind donnerstags und sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr, sowie für Schulklassen, Gruppen und Führungen nach Vereinbarung (Tel. 04281-999 800). Der Eintritt ist frei.

Jan Jaap Roosing



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