04.11.2013 / Einführungsvortrag Oratorium und Reichspogromnacht am 07. Nov. 2013


„A Child of our Time“ und die Reichskristallnacht in Zeven
Einführungsvortrag zum St.Viti-Konzert

Die Reichskristallnacht heute vor 75 Jahren war ein wichtiger Auslöser für Michael Tippett, das Oratorium „A Child of our Time“ zu schreiben. Die Zevener Kantorei und die Hamburger Camerata werden das Stück am Jahrestag des Pogroms unter der Leitung von Andreas Borbe in der Zevener St. Viti-Kirche aufführen. Am kommenden Donnerstag, 7. November findet um 19 Uhr ein Einführungsvortrag am Haus der Jugend, Bäckerstr. 28 in Zeven statt.


Im Zentrum des Oratoriums steht die anonymisierte Geschichte des 17-jährigen Juden Herschel Grynszpan, der am 7. November 1938 den deutschen Botschaftssekretär Ernst vom Rath in der deutschen Botschaft in Paris erschoss. Dies Attentat lieferte den Nationalsozialisten einen willkommenen Vorwand für eine das ganze Land überziehende Welle antisemitischer Gewalt. Das Novemberpogrom führte auch in Zeven zu Gewalthandlungen, Verhaftungen und Zerstörung.
In den Jahren 1939 – 1941 entstand das Oratorium und wurde 1944 uraufgeführt.. Als Michael Tippett 1939 das Libretto verfasste, konnte er das ganze Ausmaß der noch folgenden nationalsozialistischen Gräueltaten noch nicht erahnen. Umso erstaunlicher sind seine prophetischen Visionen des tatsächlichen Unheils.
Der Komponist sah sein Werk aber nicht nur als leidenschaftlichen Protest gegen Unrecht und Unterdrückung an, sondern wollte es ausdrücklich als Versöhnungswerk verstanden wissen.
Im ersten Teil des Vortragsabends wird Andreas Borbe die Bedeutung der Musik in Tippett’s Oratorium erläutern.
Die musikalisch-künstlerischen Mittel zur Darstellung des weiten Spannungsbogens sind vielfältig. Sie reichen von der klaren und einfachen Tonalität der Spirituals über komplexe rhythmische Abschnitte – bis hin zu grenztonalen Bildungen wie etwa im mitreißenden Doppelchor der Verfolger und Verfolgten. Als Gliederungsmomente und Gipfelpunkte setzt Tippett Spirituals ein.
Im zweiten Teil des Vortragsabends wird Luise Del Testa auf den historischen Auslöser für das Oratorium eingehen. Dabei stehen vor allem die Geschehnisse während des Novemberpogroms in Zeven in Mittelpunkt. Die jüdischen Bürger wurden von der SA aus ihren Häusern geholt, in dem Haus des Erich Neugarten festgehalten. Die Männer wurden verhaftet und mussten Monate im KZ Sachsenhausen verbringen. Der jüdische Betsaal wurde geplündert, Einrichtungsgegenstände und Mobiliar am Markt aufgeschichtet und verbrannt.
Alle Interessierten sind herzlich zu diesem Einführungsabend am Donnerstag, 7. November 2013 eingeladen. Mit den Informationen über Entstehung und Konzeption des Werks und die historischen Hintergründe wird das Konzert am 10. November, dem 75. Jahrestag der Reichspogromnacht sicherlich zu einem noch eindrücklicheren Erlebnis.



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