Zeven

16.10.2013 / Zevener Geschichtsvortrag "Traumhochzeit" am 18.Okt. 2013


Der letzte Vortrag in diesem Jahr in der Reihe der »Zevener Geschichtsvorträge« findet Freitag, den 18. Oktober 2013, 19.00 Uhr im Königin-Christinen-Haus in Zeven statt. Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel wird sich wieder einmal mit den Welfen in Niedersachsen beschäftigen. Diesmal steht eine „Traumhochzeit“ im Mittelpunkt des Vortragsabends.


Vor 100 Jahren, am 24. Mai 1913, heirateten in Berlin die Hohenzollern- prinzessin Victoria Luise und der hannoversche Welfenprinz Ernst August. Es war dies ein europaweit beachtetes Ereignis, das auch grundlegende Auswirkungen auf die niedersächsische und braunschweigische Geschichte hatte. Zugleich diente die Hochzeit als prunkvolle Bühne für das letzte große Zusammentreffen des europäischen Hochadels, darunter der deutsche und der österreichische Kaiser, der russische Zar und der englische König. In der Rückschau setzte diese Hochzeit der Belle Epoque ein letztes schillerndes Denkmal, bevor sich bis Mitte des Jahres 1914 die politischen Verhältnisse verschärften und im Ausbruch des Ersten Weltkrieges eskalierten.

Diese Heirat bedeutete aber zugleich das Ende des seit 1866 bestehenden Konfliktes zwischen hannoverschen Welfen und den Hohenzollern. Im Rahmen der Auseinandersetzungen zwischen Preußen und Österreich, dem Deutschen Krieg, kam es 1866 zu einem militärischen Konflikt zwischen Preußen und Hannover, der nach der Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866, mit der Annexion des Königreichs endete. Der hannoversche König Georg V. ging nach Österreich ins Exil. Damit aber fand der Konflikt kein Ende, sondern setzte sich durch die Kinderlosigkeit des letzten Herzogs der älteren Linie des Welfenhauses, Herzog Wilhelm von Braunschweig, fort. Mit der Heirat wurde der braunschweigische Herzogthron wieder den Welfen zugänglich, der seit 1884 entsprechend dem sogenannten Regentschaftsgesetz von Herzog Wilhelm interimistisch besetzt war.

Jubel und Begeisterung beim Einzug des Herzogpaares klingen aus der Mehrzahl der zeitgenössischen Berichte zu dem Festtag. Entlang den reich geschmückten Straßen standen wohl geordnet und in Gruppen organisiert die Vereine, Schulen, Anstalten und Körperschaften mit etwa 40 000 Teilnehmern, dazu kamen mehr als 100 000 Zuschauerinnen und Zuschauer, teilweise von weither angereist.

Begleitet war das Geschehen 1913 aber auch von heftigen politischen Auseinandersetzungen, die noch nach der Hochzeit andauerten.

Nur wenige Jahre regierte das Paar allerdings in Braunschweig, denn nach dem Grauen des Ersten Weltkriegs endete am 8. November 1918 mit der Abdankung von Ernst August die Monarchie im Herzogtum Braunschweig und damit die 800 Jahre dauernde welfische Geschichte Braunschweigs und Niedersachsens.



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