Zeven

26.08.2013 / Keramik von Otto Meier im Königin-Christinen-Haus ab 1. Sep. 2013


Der Altmeister oder „Nestor der deutschen Kunstkeramik“ Otto Meier wurde 1903 in Dortmund geboren. Nach einem kurzen Architektur- und Bildhauerstudium fand er 1925 durch die Begegnung mit Bernhard Hoetger und die Kunsthütten in Worpswede zur Keramik. Hoetger war es auch, der ihn überredete, in Worpswede zu bleiben, statt ans Bauhaus zu gehen. Nach nur zwei Jahren übernahm er die Töpferei in der von Ludwig Roselius eingerichteten Werkstattgemeinschaft „Die 7 Faulen“ in der Böttcherstraße in Bremen.


Otto Meier nahm mit dieser Werkgemeinschaft bis Ende der 30er Jahre u.a. an der jährlichen Leipziger Messe im Grassi-Museum teil. 1940 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und 1944 verwundet.
Nach dem Krieg richtete er in Worpswede seine eigene Werkstatt ein. Aus der zerstörten Böttcherstraße hatte er einen Kohlenofen gerettet. Drumherum baute er sein kleines Wohnhaus. Ein Angebot, die Keramikklasse an der Bremer Fachhochschule zu übernehmen, lehnte er ab. Er wollte seine Unabhängigkeit bewahren.
Von dem anfänglichen Einfluss durch Hoetger mit seiner Vorliebe für die archaische Töpferei der Inka-Kultur hatte er sich längst befreit. Mit großer innovativer Schaffenskraft entwickelte er seine eigenen Formen und Glasuren in höchster Qualität. Jede Arbeit ein Unikat, Serienproduktion lehnte er ebenso kategorisch ab wie zusätzliche technische Hilfsmittel. Ein Handwerker, der sich anscheinend nur von der Natur, von Knospen- Frucht und Samenformen sowie Steinoberflächen, Moosen und Flechten immer aufs Neue inspirieren ließ. Dabei blieb er als „Pötte-Backer“, wie er sich selbst gern bezeichnete, der Gefäßform treu. Der praktische Gebrauchswert ging jedoch zurück. Wichtig waren ihm räumliches Volumen, Formensprache und dezent farbige Oberflächen. Hierdurch bekamen seine Arbeiten Objektcharakter und sind durchaus als einzelne Kunstwerke zu betrachten.
Dies blieb auch der Fachwelt nicht verborgen: 1964 bekam er den „Niedersächsischen Staatspreis für das gestaltende Handwerk“ und 1982 den renommierten „Westerwaldpreis“ für freigedrehte keramische Gefäße zugesprochen. Es folgte 1986 der Bremer „Auguste-Papendieck-Preis“ und 1988 wurde er zum Ehrenmitglied der Genfer Académie Internationale de la Céramique ernannt. Im gleichen Jahr erhielt er für sein Lebenswerk den „Ehrenpreis Deutsche Keramik“, die wohl bedeutendste deutsche Auszeichnung, die bis dahin erst dreimal vergeben wurde.
In einem großen Bericht von Reinhard Kraus in der Fachzeitschrift „Weltkunst“, wird Otto Meier zu den „Top Five der deutschen Studiokeramik des 20. Jahrhunderts“ gezählt.

Bis ins hohe Alter von 93 Jahren lebte und arbeitete Otto Meier in seinem kleinen Häuschen mit Werkstatt hinterm Weyerberg in Worpswede, wo er 1996 verstarb.

In der Ausstellung in der Städtischen Galerie Zeven sind Arbeiten aus allen Schaffensphasen vertreten, von frühen Arbeiten aus der Werkstatt in der Böttcherstraße bis zum berühmten Spätwerk der 80er-90er Jahre. Zusätzlich werden einige eindrucksvolle Schwarzweiß-Porträts und Aufnahmen aus seiner Werkstatt gezeigt. Unter den Fotografen finden wir ebenso bekannte Namen wie Dr. Paul Wolff, Hans Saebens, Prof. Lothar Klimek und Rüdiger Lubricht.
Nahezu alle Arbeiten stammen aus der Sammlung der Tochter, der Flötistin Susanne Meier. Susanne Meier wird Sonntag, den 1. September um 15 Uhr zusammen mit Ricarda Streckel auch für die musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung sorgen. Die einführenden Worte spricht Dr. Walter Lokau. Dr. Lokau war Kustos des Keramikmuseums in Staufen, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Grassi-Museum in Leipzig und der Experte für zeitgenössische Keramik in Deutschland. Die Ausstellung Keramik von Otto Meier ist Teil des Projektes „Ton-Spuren, Keramik in Nord- und Mitteldeutschland, 2013“. Die Projektinitiatorin Dipl. Bibl. Ulrike Steinmetz wird ebenfalls anwesend sein.
Vom 1. September bis den 24. November 2013 bleibt die Ausstellung in der Städtischen Galerie im Königin-Christinen-Haus, Lindenstraße 11 in Zeven zu sehen. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten sind sonntags und donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr sowie für Schulklassen, Gruppen und Führungen nach Vereinbarung, Tel. 04281-999 800.

Jan Jaap Roosing



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