01.03.2013 / Malerei und Grafik von Werner Stumper

Ausstellung im Königin-Christinen-Haus in Zeven bis zum 26. Mai 2013

Bei den „alteingesessenen Zevenern“ ist vor allem der Name Anton Stumper bekannt, der 1938 als Leiter der Städtischen Finanzkasse und Vollstreckungsbeamter über Bremerhaven nach Zeven kam. Er verfasste plattdeutsche Reime und hat leidenschaftlich gezeichnet und gemalt.
Sein künstlerisches Talent hat er wohl seinem Sohn Werner weitervererbt, der 1927 in Bremerhaven zur Welt kam, in Zeven aufwuchs, zur Mittelschule ging und beim Malermeister Rathjen das Malerhandwerk erlernte. Diese Ausbildung was damals Voraussetzung, um zum Kunststudium in Bremen zugelassen zu werden.


Werner Stumpers künstlerisches Schaffen begann nach den Wirren des 2. Weltkrieges, als er 1949, mit 22 Jahren, sein Studium an der Staatlichen Kunstschule in Bremen begann. Hier lernte er unter anderem bei den Professoren Heckroth und Menz und konnte 1952 sein Studium erfolgreich abschließen. Danach arbeitete er als freischaffender Künstler, schuf unter anderem Bühnenbilder, verdingte sich als Porzellanmaler und entwarf Porzellandekore für die Firma Rosenthal.
Nach der Gründung seiner Familie zog es ihn von der Küste in den Schwarzwald. Die Verbundenheit zu seiner norddeutschen Heimat ließ den Künstler nie ganz los, so schrieb er wie sein Vater Gedichte und Kurzgeschichten in plattdeutscher Sprache. Zudem illustrierte er Bücher und Schriften, wie zum Beispiel "aus Lust und Leed" (Soltauer Schriften der Friedrich Freudenthal Gesellschaft).
Von 1955 bis zu seinem Tod 2010 lebte und arbeitete er zurückgezogen in seiner Wahlheimat Villingen. Eine feste Anstellung beim Vermessungsamt Villingen sicherte der Familie ein regelmäßiges Einkommen, doch der unermüdliche Schaffungsdrang blieb ungebrochen. Es entstand ein höchst vielseitiges und umfangreiches Werk. Flächige Linoldrucke in schwarz-weiß, feinstrichige Federzeichnungen, Frottagen und überraschend klare farbige Monotypien belegen ein reiches grafisches Oeuvre sowie viel Freude am Experimentieren mit Material, Farben und Formen. Seine Bildersprache ist mehrheitlich gegenständlich, reicht aber von gegenständlich bis abstrakt. Faszinierend sind vor allem seine surrealen Bilder: Hier tun sich Seelenwelten auf, die von einer empfindsamen Künstlernatur und nicht selten von Melancholie und schmerzhaften Erfahrungen zeugen. Gleiches gilt für seine Malerei, nur finden wir in seinen Ölbildern schwerpunktmäßig eher klassische Themen wie Blumen und Landschaften wieder.
Mit fortschreitendem Alter entstanden bevorzugt kleine Arbeiten in unterschiedlichen Techniken, die er allesamt in Schuhkartons aufzubewahren pflegte. Diese “Schuhkartonbilder” sind die eigentliche Überraschung: Zeichnungen, Drucke, und vor allem Aquarelle - oft als Mischtechnik mit Ölkreide -, bestechen mit teilweise expressiver Farbigkeit, einem sicheren Gespür für Form und Farbe und einer außergewöhnlich lockeren Leichtigkeit. Allesamt kleine Meisterwerke, die zu Recht als reifes Spätwerk angesehen werden können.
In der Ausstellung in der städtischen Galerie im Königin-Christinen-Haus in Zeven wird neben einigen Ölbildern und umfangreichen grafischen Arbeiten diesen „Schuhkartonbildern“ ein angemessener Platz eingeräumt.
Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, den 3. März um 15 Uhr spricht der Kurator der Ausstellung, Jan Jaap Roosing (Stadt Zeven). Musikalisch wird die Ausstellungseröffnung von Ingolf Lienau an der Violine und Hans-Georg Reith an der Gitarre, begleitet. Jedermann ist herzlich willkommen, der Eintritt ist frei. Städtische Galerie im KÖNIGIN-CHRISTINEN-HAUS, Lindenstraße 11 in Zeven. Öffnungszeiten sind donnerstags und sonntags von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr sowie für Schulklassen, Gruppen und Führungen nach Vereinbarung: Tel. 04281-999 800. Die Ausstellung kann bis zum 26. Mai 2013 in Zevens Städtischer Galerie besichtigt werden.



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