01.10.2013 / Drohender Ärztemangel im ländlichen Raum

Start des Projektes „Landpartie Zeven“ und Antrag der CDU/FDP im Kreistag
Das Problem ist nicht neu: der drohende Mangel in der Grundversorgung im ländlichen Raum.
Derzeit liegt der Altersdurchschnitt bei Ärzten bei 60 Jahren. Daraus lässt sich ableiten, dass in ca. fünf Jahren eine riesengroße Lücke bei den Landärzten klaffen wird, wenn nicht gegensteuert.


Aus diesem Grund hat Bürgermeister Hans-Joachim Jaap bereits im August 2011 beim Besuch der damaligen niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan im Mehrgenerationenhaus in Zeven dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt. An diesem Gespräch nahmen auch Allgemeinmediziner des Notdienstbezirkes Zeven teil. Als Ergebnis der damaligen Diskussion wurde beim CDU –Kreisverband eine Arbeitsgruppe und innerhalb der Hausärzte des Notdienstbezirkes Zeven eine Initiative zu dieser Problemstellung gegründet.

Im April 2013 fand auf Einladung der Ärzteinitiative in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachen (KVN) eine Diskussion mit Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Medizinstudenten der MHH, niedergelassenen Allgemeinmedizinern aus der Region und Oberärzten des Martin-Luther-Krankenhauses sowie mit Kommunalvertretern statt. Im Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass es ohne eine enge Zusammenarbeit zwischen den niedergelassenen Ärzten, dem Krankenhaus, der MHH und den Kommunen des Notdienstbezirkes keine zufriedenstellende Lösung geben wird. Ein Beispiel für eine derartige Zusammenarbeit ist das Projekt „Landpartie Fulda“, in dem die Universität Frankfurt gemeinsam mit dem Landkreis Fulda dem drohenden Ärztemangel entgegenzuwirken versucht.
In einer Folgebesprechung im Mai 2013 wurde beschlossen, in Anlehnung an die Arbeit im Landkreis Fulda, das Projekt „Landpartie Zeven“ als Gemeinschaftsprojekt der Samtgemeinen Selsingen, Sittensen, Tarmstedt und Zeven ins Leben zu rufen und noch in diesem Jahr zu starten.
Landesweit ist dies das erste und bisher einzige Projekt dieser Art in Niedersachsen.

Derzeit stehen in den vier Samtgemeinden insgesamt neun Lehrpraxen für die Studenten zur Verfügung. Im Rahmen des Projektes sollen insgesamt dreimal im Jahr jeweils maximal neun Studenten für 14 Tage ein Praktikum in den vorhandenen Lehrpraxen absolvieren. Hierbei soll den Studenten ein realistischer Eindruck über die berufliche Tätigkeit als Allgemeinarzt im ländlichen Raum vermittelt werden. In der Praxis können die unterschiedlichsten Herausforderungen und Facetten, die durch das breite Patientenspektrum entstehen miterlebt werden.

In den Samtgemeinden liegen bzw. werden demnächst die notwendigen Beschlüsse vorliegen, die Finanzierung des Projektes, hauptsächlich Unterkunft, Verpflegung und Fahrkosten der Studenten, zu übernehmen und das Projekt zentral zu organisieren. Im Rahmen des Praktikums soll neben der Arbeit in den Praxen, auch eine Vorstellung der Region stattfinden. Hierzu werden von den Kommunen Angebote und Veranstaltungen organisiert, die den Studenten die Vorzüge und Attraktivität unserer Region aufzeigen werden. Dieses örtliche begrenzte Projekt stellt bereits einen wichtigen Schritt zur Abwendung des drohenden Ärztemangels in ländlichen Bereichen dar.
Der Zevener Samtgemeindeausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung des Projektes „Landpartie Zeven“ begrüßt und der angestrebten Kooperation zugestimmt. Inzwischen wird das Projekt an der MHH aktiv beworben und so könnten bereits Mitte November die ersten Studenten ihr Praktikum in unserer Region antreten.

Da Bürgermeister Hans-Joachim Jaap der Auffassung ist, dass die Ärztliche Versorgung eine Aufgabe des Landes und des Landkreises ist, hat er nach dem erfolgreichen Start des Projektes in Zeven als Mitglied des Kreistages für die Arbeitsgruppe CDU/FDP im Kreistag einen Antrag gestellt, Projekte zur Förderung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum finanziell zu unterstützen und gleichzeitig zu prüfen, ob das Projekt „Landpartie Zeven“ auf den ganzen Landkreis übertragen werden kann.



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